Kapitel III – Keine Engel:
Der Abend verlief für Timo mehr als langweilig. Vlad, der „verrückte Professor“ wie er in seinem Vampirkreis genannt wurde, hatte Timo von oben bis unten untersucht, und unzählbare Tests mit ihm durchgeführt. Timo wusste bis heute nicht warum und wozu, aber er war froh, als er nach Hause konnte und ENDLICH schlafen konnte. Langsam merkte er die negativen Auswirkungen seiner Verwandlung. Das Sonnenlicht begann unangenehm auf seiner Haut zu zwicken und zu stechen, und das Licht wurde auch immer greller. Vampire konnten durch die Sonne zwar nicht sterben, aber sie verloren fast alle übernatürlichen Kräfte. Außerdem bekam er überaus leicht einen Sonnenbrand. Auch das essen schmeckte immer fader. Und das Kunstblut welches er trinken musste, schmeckte ihm immer besser. Ronins Worte klangen ihm noch heute in den Ohren als er sagte, er könne später alles essen, aber das diene lediglich der Tarnung. Jetzt verstand Timo, was er gemeint hatte. Er ging nach Hause, und legte sich schlafen, in 4 Stunden musste er wieder aufstehen.
Als René aufwachte fühlte er sich, wie gerädert. Er hatte Kopfweh und ihm war kotzübel. Langsam stand er auf. Er konnte sich nicht erinnern, wie er nach Hause gekommen war. Langsam kam sein Gedächtnis zurück. Er stand auf, und ging ins Bad. Als er in den Spiegel sah, war er starr vor Schreck. Eine in Blutroter Farbe geschriebene Nachricht starrte ihm entgegen.
Morgen Arschloch!
Hier eine kleine Demonstration, was ich mir dir anstellen kann! Diese Nachricht ist mit Blut geschrieben, und Bingo! Es ist DEIN Blut. Kuck mal auf deinen Finger. Frag dich lieber nicht, wie diese Nachricht hierher kommt! Ich möchte dich noch mal an meine „Bitte“ erinnern. Um dir auf die Sprünge zu helfen, und um dir zu zeigen, wie ernst ich es meine, kuck mal in den Briefumschlag, der unter deinem Bett ist. Diese Bilder werden eine Menge Leute ziemlich interessant finden. Ich hoffe wir verstehen uns.
Mit freundlichen(?) Grüßen
(k)ein Freund!
René las die Zeilen und stürmte in sein Zimmer. Panisch wühlte er unter seinem Bett umher, bis er einen Briefumschlag fand, er öffnete ihn, Ein Brief und eine kleine SD-Speicherkarte waren darin. Er öffnete den Brief.
Deine Eltern schlafen bis 9 Uhr. Du solltest aber noch die Nachricht auf dem Spiegel entfernen. Diese SD-Karte ist für dich. Und, keine Angst, ich hab noch eine Kopie. Sollte ich mich bis Freitag nicht mehr melden, gehen Kopien von der Karte an die Polizei, an die Presse, und den Bürgermeister. Also, halt dich ran!
René schaute auf die Uhr. Es war 6.56 Uhr er hatte noch Zeit… Er nahm seine Digitalkamera vom Regal und legte die Karte ein. Als er sich die Bilder ansah, wurde er kreidebleich. Diese Bilder zeigen ihn, wie er die Scheiben an dem neuen Mercedes des Bürgermeisters einschlug, und sich in diesen erleichterte. „Scheiße“ Dachte er. Er entfernte die Nachricht vom Spiegel, und machte sich fertig für die Schule. Er musste sich fügen, oder er bekam weitaus mehr Probleme, als jetzt. Er fragte sich nur, wie er es anstellen sollte, ohne als Lügner da zustehen.
Als Timos Wecker ihn aus dem Schlaf riss, kam es ihm so vor, als hätte er eben erst die Augen geschlossen. Er Wollte nicht zurück. Er wollte nicht schon wieder gedemütigt werden. Aber ihm blieb keine Wahl. Langsam stand er auf, und ging ins Bad. Als er in den Spiegel schaute stockte ihm der Atem. Statt seinem gewöhnlichen Spiegelbild sah er eine Wüstenlandschaft. Trümmer von Gebäuden und Skelette, halb verweht unter rotem Sand. Und alles sah so ALT aus… Timo rieb sich die Augen, und als er ein zweites Mal hinsah, zeigte der Spiegel wieder nur ihn. Er berührte den Spiegel und kniff sich in den Arm, um sich zu vergewissern, ob er nicht träumte, aber es war real. Hastig zog er sich an, und machte sich auf den Weg. Er musste dringend mit seinem Meister darüber reden. 15 Minuten später stand Timo vor seinem Meister, und berichtete ihm alles detailgenau. Als Timo fertig war, sah ihn sein Meister nachdenklich an. „Du bist der erste Visionär seit Beginn unserer Rasse, der so weit in die Zukunft sehen kann. Deshalb ist Professor Vlad so aus dem Häuschen.“ „Ronin… Ich verstehe absolut nicht, was du meinst.“ Timo sah seinen Meister verständnislos an. „Ich denke ich kann dich aufklären… Timo irgendwann in den nächsten 12 Jahren wird die zivilisierte Welt wie wir sie kennen untergehen. Wir wissen nicht warum, wir wissen nicht GENAU wann. Aber in spätestens 12 Jahren wird hier wo wir jetzt stehen nur ein Trümmerfeld sein. Der 3. Weltkrieg. Der Atomare Vernichtungsschlag. Das Ende der Welt.“ Timo war geschockt… „ Aber wie… wieso?… Woher wollt ihr das wissen?“ Timo stand fassungslos und voller Schrecken da. „Du bist nicht der einzige Visionär. Nemesis und Majash waren trainierte und spezialisierte Visionäre. Ihre Visionen reichen bis zu 12 Jahren in die Zukunft. Sie haben die Bomben gesehen.“ Ronins Züge verfinsterten sich. “Sie haben die Leichen gesehen, die Verstümmelten, den Tod und die Vernichtung. Sie haben direkt in die Hölle geblickt. Und dort haben sie ihren Verstand zurückgelassen.“ Timo ließ sich die Namen noch einmal durch den Kopf gehen. Nemesis und Majash… jetzt erinnerte er sich. Nemesis und Majash waren das verrückte Pärchen, welches vor knapp zwei Wochen einem Unfall zu Opfer fiel. Ronin riss ihn aus seinen Gedanken. „Für dich fällt Schule heute Flach… du kommst mir sofort ins Spektralzimmer.“ Timo kannte dieses Zimmer. Dort wurden alle Vampire mit passiven Übernatürlichen Fähigkeiten eingesetzt. Visionäre, Heiler, Gedankenleser aber auch Gedankenmanipulateure, „Krankheitserreger“ und Astrale. Vor den Krankheitserregern musste er sich besonders in acht nehmen, sie konnten Krankheiten in ihren Gedanken erschaffen und freisetzen, wie sie wollten. Den Vampirschnupfen den ihn Rajaksch verpasst hatte, hatte er noch gut in Erinnerung. Er hätte ihn nicht ärgern sollen… Aber na ja. Als Timo und Ronin ins Spektralzimmer kamen, sollte Timo sich auf einen Stuhl setzen, und warten. Ronin verschwand kurz und kam mit Vlad zurück. Als Timo den verrückten Professor sah, gingen alle seine Hoffnungen, heute noch mal Tageslicht zu sehen den Bach runter. Das grinsen des Professors verhieß nichts Gutes. So grinste Vlad eigentlich nur, wenn er eine überaus lange und ergiebige Forschung vor sich hatte. „Na Toll!“ dachte Timo. „Das wird ein langer Tag…“
Renés Schultag begann eigentlich ganz normal. Er bemerkte erst später, dass er fast seine ganzen Schulsachen Zuhause gelassen hatte. Alles was er hatte, war sein Schlampermäppchen und einen Block. Auch seine Hausaufgaben glänzten wie seine übrigen Schulsachen, nämlich durch Abwesenheit. Aber das taten sie eigentlich immer. Er folgte dem Unterricht eigentlich nie sorgfältig, aber heute war es extrem. Die ersten beiden Schulstunden zermarterte er sich das Gehirn, wieder die Sache ins Lot bringen konnte, ohne seinen Ruf zu verlieren, doch sein Ruf in der Schule war dahin. Jemand ganz bestimmtes, wusste das zu 100%. Nur René wusste noch nicht. Gegen halb Zehn hatte er eine Idee.
Marvin kam gerade vom Bäcker zurück in den Pausenhof, als er merkte, dass Gefahr im Verzug war. Doch da war es zu spät. René kam angerannt, hob ihn an seinem Pullover hoch und drückte ihn an die nächste Wand. Seine Wut schien gekünstelt, das merkte Marvin, aber er sagte nichts, denn Renés Wut konnte schnell von gekünstelt zu wirklich umschlagen. René schrie ihn an. „Was fällt dir ein mich so anzulügen!“ Er schrie so laut, dass der ganze Hof es hören musste. „Ich mach mich zum Affen, weil ich dir geglaubt habe!“ René achtete darauf, dass jeder es hörte. „Sämtliche Informationen über Timo und Hellen sind gelogen! Warum erzählst du mir so einen Scheiß?“ Marvin wollte auffahren, und ihm widersprechen, aber Renés Augen warnten ihn. Sollte er auch nur irgendetwas sagen, was diese Anschuldigung als Lüge deklarieren würde, würde René ihn reif für das Krankenhaus schlagen. Er ließ noch einige weitere Anschuldigungen über sich ergehen, aber er hielt den Mund. Sollte er seinen Spaß haben. Ihm machte das nichts aus. Kleinkram. Sobald er die Schule hinter sich hatte würde er ihn sowieso nicht wiedersehen.
Als die Schule zu Ende war, war René erleichtert. Strahlend ging er nach Hause, und klopfte sich in Gedanken selbst auf die Schulter. Dieses Problem hatte er hervorragend gelöst. Plötzlich klingelte sein Handy. Als er auf das Display sah, verkündete ihm dieses nur, dass er von einer Unbekannten Nummer angerufen wurde. Er nahm ab. Und hörte eine verzerrte Stimme:
„So war das nicht geplant. Marvin wird die Fotos ebenfalls erhalten.“
Es klickte in der Leitung und das Gespräch war beendet. Renés Herz rutschte ihm in die Hose. Er musste um jeden Preis verhindern, dass Marvin die Fotos in die Finger bekam. Er nahm die Beine in die Hand, und rannte nach Hause.
Hellen ließ gut gelaunt ihr Handy zuschnappen. Ihr Vampir sein gefiel ihr immer besser.Timo wusste nicht mehr wie lange er auf dem Stuhl saß, aber in einem war er sich sicher: Er hatte genug. Als Vlad kam, fragte er ihm, wie lange seine „Folter“ noch dauern sollte. Vlad sah ihn nur flüchtig an, stoppte, und ging auf Timo zu. „Was machst du denn noch hier? Ich bin doch schon seit einer halben Stunde fertig.“ Verärgert stand Timo auf. „Danke, dass du es mir gesagt hast.“ Er packte seine Sachen zusammen und sah auf die Uhr. Und stöhnte. Es war knapp 18 Uhr. Er verließ das Gebäude, und verschwand in der abendlichen Dämmerung.
Als Timo, zwecks einer vermeintlichen Abkürzung, durch eine spärlich beleuchtete Gasse lief, hörte er einen dumpfen Gesang.
Niemand kennt den Tod,
niemand weiß ob er nicht vielleicht,
das größte Glück für den Menschen ist.
Niemand kennt den Tod,
Niemand kennt den Tod!
Als Timo um die Ecke bog, erkannte er den Ursprung des Gesangs. Er sah eine Person im schwarzen Mantel auf dem Boden sitzen. Mit einem Laptop in der Hand und in Arbeit vertieft sang er vor sich hin. Timo kannte das Lied irgendwo her. Zögernd näherte er sich der Gestalt. Doch auch als Timo neben ihr stand, bemerkte der Junge ihn nicht. Erst als Timo versuchte einen Blick auf den Bildschirm zu werfen zeigte sich eine Reaktion. Der Junge ließ den Laptop zuschnappen und blickte in Timos Augen. „Ah, hallo Timo.“ Timo war überrascht. „Wo… woher kennst du meinen Namen?“ der Junge kicherte. Timo schätzte ihn vielleicht auf sechzehn oder siebzehn Jahre. „Du würdest staunen, wenn du wüsstest, was ich alles weiß. Vampir Timo.“ Timo erschrak. Wer war der Junge? Woher wusste der Junge, wer Timo war? „Mein Name ist Azazel. Zumindest ist das der Name, den mir meine Werwolf-eltern gegeben haben. Und ich kann deine Gedanken lesen. Daher weiß ich auch, was du heute Morgen im Spiegel gesehen hast.“ Timo wurde immer nervöser.
“Keine Angst. Ich behalte es für mich, aber nur wenn du versprichst, dass du mit deinem Ältesten sprichst. Er soll die Werwölfe warnen!” Timo schüttelte den Kopf. “Nein. Mein Ich muss nicht mit meinem Ältesten reden.” Timo sah auf die Uhr. “Denn im Moment sitzt er mit Tepesh, Rogan und Imaliah zusammen, und beratschlagt was zu tun ist. Unter anderem führt er die Aufzeichnung meiner Vision vor.” Azazel horchte auf. “Meister Rogan ist bei Tepesh? Oh oh wenn die beiden sich gegenüberstehen, ohne dass einer den anderen anfällt, dann muss es wirklich ernst sein. Weißt du, auch wir Werwölfe haben Seher. Doch unsere Seher haben einen eher kurzen “Draht” in die Zukunft. Rijall, einer unserer besten und erfahrensten Seher hat bisher nicht weiter als vier Jahre in die Zukunft sehen können. In der Hinsicht seid ihr Vampire uns doch überlegen.” Timo horchte auf. “Warum, ohne dass einer den anderen anfällt, ich denke der alte Krieg zwischen Werwolf und Vampiren wurde schon vor 190 Jahren Beigelegt?” Azazel grinste. “Mag ja sein, nur die beiden streiten sich momentan um Imaliah. Jeder will sie als seine Partnerin haben.” “Wer zum Teufel ist Imaliah?” Timo hatte diesen Namen noch nie gehört. “Imaliah ist unsere Ausbilderin für neue Werwölfe. Sie war mal mit Tepesh zusammen, doch sie trennten sich vor 50 Jahren. Jetzt ist sie mit Rogan zusammen. Doch auch das geht mittlerweile in die Brüche….” Als Azazel merkte, das Timo ihn mit misstrauischen Blicken musterte, verstummte er. “Warum erzählst du mir das alles?” Azazel kuckte verlegen zu Boden. Dann fuhr er mit trauriger Stimme fort: “Weil ich weiß, dass es dir wie mir geht. Ich weiß, dass du keine Freunde hast, und dass du auch mit niemanden reden kannst. Nun ja, ich hoffe dass wir Freunde werden.” Langsam sah er auf, und blickte in Timos Augen. “Glaubst du, ich habe eine Chance?” Timo überlegte nur kurz. “Sagen wir es so: Wir werden uns eine Zeit lang treffen. Etwas miteinander unternehmen, und uns gegenseitig besser Kennenlernen. Danach werden wir sehen. Oder was sagst du?” Azazel strahlte, “Abgemacht!” “Gut”, sagte Timo, sein Handy heraus kramend, “Wie ist deine Handy Nummer?” -”Nicht nötig. Ich habe bereits an deinen Icq-Account eine Anfrage gesendet. Es gibt nur einen ‘angelofblood’ hier in der Stadt.” Azazel grinste wieder. “Wir beide sind auf demselben Level, was Computer betrifft. Im Gegensatz zu dir habe ich nur einen Vorteil: Ich kann Gedanken lesen! Ich hoffe, du nimmst mir das nicht übel.”; “Solange du dich zukünftig zurückhältst, und nicht ungefragt in meinem Kopf herumwühlst, werde ich darüber hinwegsehen.” Azazel nickte. „Ok. Dann werde ich mal verschwinden. Du kannst mir übrigens immer eine Nachricht auf ICQ hinterlassen, ich werde sie spätestens 15 Minuten später lesen. Versprochen.“ Während Azazel sprach, packte er seine Sachen zusammen, und verschwand in Richtung Straße. Als die letzten Worte verklungen waren, was er schon nicht mehr zu sehen. Kopfschüttelnd ging Timo nach Hause. Als er todmüde ins Bett fiel, gingen ihm noch einmal die Geschehnisse des Tages durch den Kopf bevor er einschlief.
Während Timo wie ein Baby schlief, war René hellwach. Wie sollte er die Sache gerade biegen? Er konnte Hellen zur Rede stellen, aber die würde alles abstreiten. Wie konnte er seinen Kopf aus der Schlinge ziehen? Er könnte sie heimlich beschatten bis er etwas fand, was er gegen sie verwenden konnte, aber das würde zu lange dauern. Plötzlich klingelte es. René hoffte inständig, dass sein Kurier Erfolg hatte. Langsam schlappte er zur Haustür. „Ja“ „René? Ich bin es. Ich hab den Umschlag.“ kam es von der anderen Seite. René öffnete hastig. Ein raues „Gib her“ später hatte er einen weißen Umschlag in der Hand. Er knurrte ein „Danke“ und schlug die Türe zu. Fast panisch riss er den Umschlag auf, und ließ eine kleine Speicherkarte in seine Hand fallen. In diesem Moment signalisierte sein Handy, dass jemand ihn mit einer Nachricht bedacht hatte. Er steckte die Speicherkarte ein, und kramte sein Mobiltelefon heraus. Während er die Nachricht las bemerkte er, dass alle Aktionen die er gegen Hellen plante, sinnlos waren.
Du kannst die Speicherkarte behalten. Aber meine ‘Bitte’ steht noch. Du hast bis übermorgen Abend Zeit alles zu Regeln.
Er wurde observiert.
Hellen war in ihrem Element. Als Vampirin benötigte sie kein Nachtsichtgerät und kein Fernglas. Sie saß etwa 100 Meter entfernt in einer Tanne und beobachtete René, während Sie in sich lachte. Was wollte dieser Mensch ihr schon antun. Sie konnte ihn vernichten, wenn sie wollte. Er würde schon sehen, was er davon hatte sich mit ihr anzulegen. Er würde sich hüten, etwas zu unternehmen. Hellen kannten sich mit dieser Art von Menschen aus. Sie musste nur darauf achten ihm keine Beweise zu liefern. Zum Glück gab es ja sich selbst löschende SMS. Es lebe die Technik. Hellen war gespannt darauf, was er wohl als nächstes machen würde. Sie sah sich um. Keiner in der Nähe? Gut. Mit einem Satz war sie vom Baum. Langsam schlenderte sie die Straße entlang, bis die Schatten sie verschluckt hatten.
Am nächsten Tag war Timos erste Tat, seinen PC einzuschalten. Er checkte seine Emails, und seinen ICQ Account. Neben der Anfrage von Azazel war noch eine Nachricht von Ronin eingegangen, welche ihm sagte, dass er seine Lehrstunde heute ausfiel. Gähnend packte er seine Schulsachen, und ging zum “Frühstücken”. Einen Blutbeutel und 10 Minuten später saß Timo auch schon im Schulbus. Er kramte seinen PDA hervor und rief seinen Stundenplan auf. Innerlich stöhnte er. Geschichte. Er konnte die Langeweile förmlich spüren. Warum musste er überhaupt noch Geschichtsunterricht nehmen? Er hatte eine Lebende Geschichte in seinem Clan. Er musste nur Ronin oder Vlad fragen. Auch Tepesh gab im von Zeit zu Zeit Unterricht. Doch was sein musste, musste sein. Timo zog seine Geschichtsunterlagen aus seinem Sammelhefter hervor. Auch dass noch: Bismarck Ära und erster Weltkrieg. Majash’s Geburtsstunde als Vampir. Er hätte sich alles von ihm berichten lassen können, wenn er noch am “leben” währe. Sein Tag fing wirklich wunderbar an.
Timo war mittlerweile an der Schule angekommen. Als er den Vertretungsplan für den heutigen Tag begutachtete, jauchzte er innerlich vor Freude. Frau Schierling, seine Geschichtslehrerin war heute Krank. Das hieß er hatte heute die ersten Zwei Schulstunden nichts zu tun. Trotz alledem schlenderte er in Richtung Klassenzimmer. Er dachte nach. Irgendetwas kam im seltsam vor. Majash und Nemesis waren beide mächtige Seher gewesen. Die Macht von Vampiren maß sich an ihrem Schöpfer, ihrer Seele und ihrem Alter. Je stärker und älter ihr Schöpfer, desto stärker der Novize. Doch der Haupteigenschaft für die Stärke eines Vampirs war nach wie vor seine Seele. Niemand wusste genau, welche Eigenschaften der Seele auf sich auf die Stärke eines Vampires auswirkten, doch eines war bekannt: Je reiner die Seele desto stärker die Vampir. Wobei es auch eine rein böse Seele sein konnte. Doch eine rein böse Seele wurde schon seit über 10.000 Jahren nicht mehr verwandelt. Majash und Nemesis waren beide über 3000 Jahre alt gewesen, wie konnten sie sterben? Nur wenn ihre Körper komplett vernichtet wurden, wären sie in der Lage gewesen zu sterben. Wenn ein Vampir über 365 Jahre alt wird, ist er in der Lage seinen Körper aus einer einzigen Zelle zu regenerieren. Ronin hatte ihm das gelehrt. Außerdem hatten sie noch ihre Meryth-Implantate. Die hätten sie auch beschützt. Es war alles mehr als fragwürdig. Plötzlich klingelte sein Handy. Timo sah auf dir Uhr. Es war 8.12 Uhr. Es konnte eigentlich nur eine Person sein, die ihn um diese Uhrzeit anrief. Ronin. Er nahm ab: “Ja?” Ronins Stimme klang blechern durch sein Mobiltelefon: “Hi Timo. Ich bins. Ich hab schlechte Nachrichten für dich. Du musst leider von deiner überaus interessanten Geschichtsstunde losreißen, und herkommen. Is wichtig.” Timo rollte mit den Augen. “Was ist denn jetzt schon wieder ach so wichtiges los?” Ronin lachte nur verschwörerisch. “Das wirst du erfahren, wenn du da bist.” “Macht nichts!” erwiderte Timo. “Ich hab sowieso die ersten beiden Schulstunden frei. Bis gleich!” Timo legte auf. Das Clangebäude lag etwa 15 Minuten Fußweg von hier entfernt. Wenn er sich beeilte, schaffte er es in 10. Er lief los.
René war sauer. Er hatte verschlafen. Und er brauchte einen neuen Wecker. Es war Zehn Minuten nach Acht als er in der Schule ankam. Leise schlich er in Richtung Klassenzimmer. Als er um die Ecke bog, sah er Timo. Er telefonierte. Er hörte gerade noch wie er sagte, dass die ersten beiden Stunden ausfielen und dass er sich verabschiedete, bevor er das Handy und seine Hosentasche gleiten ließ. Was hatte er vor? Wer rief ihn in der Schule an? Timo hatte keine Freunde, das wusste er. War es vielleicht diese Schlampe Hellen? Wenn er sich mit ihr traf, konnte Er herausbekommen, ob Timo in der Sache mit drin steckte. Oder waren es diese komischen Leute, mit denen er sich immer traf. Egal wen er traf, er konnte ihm so oder so einen Strick drehen, denn das Verlassen des Schulgeländes war strikt untersagt. René grinste innerlich. Endlich konnte er mal wieder etwas tun, was seine Laune verbessern würde, einem der “Loser” so richtig den Tag vermiesen. Betont lässig schlenderte er zum Vertretungsplan und wartete bis Timo an ihm vorbei gegangen war.
Langsam, und mit viel Abstand folgte er ihm. Timo rannte, den schweren Rucksack auf dem Rücken, auf schnellstem Weg zum Clangebäude. Ronin erwartete ihn bereits. “Morgen, kleiner!” begrüßte er ihn leicht spöttisch. “Morgen, Ronin. Was gibt es so dringendes?” -”Nun mal langsam mit den Jungen Pferden, komm erst mal rein!” Ronin öffnete die Tür und deutete Timo an, zu schweigen. Sie schritten auf einen Aufzug zu betraten die Kammer. Als sie 20 Ebenen unter der Erde den Aufzug verließen, platzte es aus Timo hervor. “Ronin, was-ist-hier-los?” Ungeduldig starrte Timo sein gegenüber an, und wartete auf eine Antwort, doch Ronin schwieg. “Verdammt nochmal, Ronin! Ich muss in eineinviertel Stunden wieder in der Schule sein. Was ist los?” Plötzlich begann Ronin zu grinsen. “Was weißt du über Meryth?” Timo überlegte kurz. ” Nicht viel. Es ist eine Überaus seltene Legierung. Hohe Dichte, ich glaube ein Kubikzentimeter wiegt ungefähr 10,5 Kilo. Und dass es Energie speichern kann. Das war aber auch schon alles.” Ronins grinsen wurde noch breiter. „Du weißt also nichts. Na macht nichts.“ Er machte eine einladende Geste in Richtung Vlads Labor. „Meryth ist weitaus mächtiger. Wird dieses Material in den Körper eines Vampirs implantiert, verbindet es sich mit dem zentralen Nervensystem. Es dient als Verbindungspunkt zu diversen elektronischen Geräten, Computerbauteile, Speichermedien und diverse andere Dinge. Es absorbiert einen Teil deiner ‘Lebensenergie’, kleiner Scherz, du bist ja schon tot, und benutzt sie, um seine Funktionen aufrecht zu erhalten. Ältere und erfahrenere Vampire können auch bewusst Energie dem Meryth zuführen, um sie später wiederzuverwenden. Sie benutzen das Meryth sozusagen als Temporären Energiespeicher. Ich habe schon gesagt, dass deine Implantation bevorsteht. Mit der Implantation des Meryth erhältst du auch einen Breitbandverbindungsstecker an dem hinteren Teil deiner Schulter. Damit kannst du auch Daten speichern. Unsere Forschungen laufen zwar noch, aber bisher haben wir auf einem Kubikzentimeter über 8192 Yobibyte an Daten gespeichert. Du kannst dir bestimmt vorstellen, dass sich dein Körpergewicht anpassen wird. Bis du dein Meryth kontrollieren kannst, solltest du Personenwagen meiden, um Fragen zu vermeiden. Meryth kann bisher auch nur in Kristallform gewonnen werden. Es klingt zwar komisch, aber unsere Forscher sind der Meinung, das Meryth sozusagen ein eigenes Bewusstsein hat. Wir konnten nie eine bestimmte Menge Meryth implantieren. Bisher hat sich immer das Meryth die Menge die es dem ‘Träger’ zu spendende Menge ausgesucht. Aber ich rede zu viel.“ Timo rauchte der Kopf. „…und ich soll auch dieses Material erhalten?“ Ronin nickte. “Warum denn nicht? Du bist einer von uns. Deine Körperliche Anpassung ist auch vorbei. Du bist bereit.” Sie waren an der Labortür von Vlads Räumen angekommen. Timo protestierte: “Ich kann jetzt keine Operation gebrauchen. Ich muss in einer Stunde wieder in der Schule sein!” Ronin öffnete die Türe. “Wer hat denn was von Operation gesagt?”Kaum hatten sie das Labor betreten, kam auch schon Vlad an geschlurft.
